Judas war kein Verräter, sondern ein ergebener Jünger: So stehts im neu entdeckten Judasevangelium. Die Berner Schriftstellerin Madeleine Bieri hat vor vier Jahren einen Roman geschrieben mit ähnlichem Inhalt. Zufall?
Rita Jost, Saemann / 01.05.2006
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Eindrücke vor Ort wecken die Sinne für Atmosphärisches, das ihren Roman, ohne je aufdringlich zu sein, durchzieht. Davon lässt man sich packen und kann gar
nicht mehr aufhören mit lesen.
Bieler Tagblatt / 15.06.2004
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«Dieser Roman fordert heraus»
Thuner Tagblatt / 02.03.2004
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Der Kuss im Garten
Verlag: Zytglogge Verlag 2002 (www.zytglogge.ch (http://www.zytglogge.ch))
ISBN: 3729-6063-28
Als verwilderter Landstreicher begegnet Jehuda aus der Stadt Karioth im Tempel von Jerusalem einem Mann namens Jeshua aus Nazareth. Trotz seines Misstrauens gegenüber allen Gelehrten und Wanderpredigern schliesst er mit ihm Freundschaft. Auf einer anderen Ebene als Jeshuas übrige Gefolgsleute – für Jehuda sind weder Predigten noch Wundertaten wichtig, sondern allein der Mensch Jeshua. Die enge Freundschaft wird jedoch in der verstrickten politischen Situation in Jerusalem auf eine grausame Probe gestellt.
Die vermeintlich altbekannte Passionsgeschichte – erzählt aus der Sicht des «Verräters» Judas. Da sieht manches plötzlich ganz anders aus.
Ausschnitt:
Ich bin tot. Ja, ich bin tot. Ich muss tot sein, wenn alle denken, ich sei tot. Ich muss, ganz einfach. Was ist seither getan, welche Wege ich begangen habe, das spielt keine Rolle mehr. Wen kümmert es schon, was ein Toter tut und welche Wege er begeht? Wen kümmert es, wie ein Toter heisst?
Sie erzählen, ich hätte mich erhängt, damals, an jenem rabenschwarzen Tag, an dem auch er am Holz erstickt ist – er, mein Freund. Aus Verzweiflung über eine Tat, von der sie nicht wissen, weshalb, wozu und unter welchen Umständen sie begangen wurde – nichts wissen sie. Gar nichts! Aus Verzweiflung über diese Tat hätte ich mir einen Strick besorgt und mich an einem Baum erhängt. Dort sei ich gestorben, in Verzweiflung und Schmach, verachtet und verdammt von der ganzen Welt. Ganz allein.
Wie einfach. Wie bequem. Nur leider nicht wahr. Ich habe mich nicht aufgehängt. Aber das spielt keine Rolle. Ich bin tot. Ich muss tot sein. Der Verräter muss tot sein, sonst geht die Geschichte nicht auf, sonst fügt sie sich nicht ins schöne, logische Bild. Ich bin tot – für sie, für die Welt. Obwohl ich immer noch lebe – überlebe.
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Bezugsquelle:
www.buch.ch (www.buch.ch/shop/bch_start_startseite/artikeldetails/ID2839170.html/www.buch.ch); www.bol.ch (www.bol.ch/shop/boc_start_startseite/artikeldetails/ID2839170.html/www.bol.ch); www.amazon.de (www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3729606328/qid%3D1106311216/302-9058217-2742415/www.amazon.de)
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